Donnerstag, 3. Oktober 2019

Schloß Schwetzingen / Schloßpark


Gut, dass es Schwetzinger Schloss und seinen imposanten Schlossgarten mit See ganz in der Nähe von Heidelberg gibt. Für mich
ist es ein Erholungsort und Refugium, wenn ich Ruhe, Stille und ein Gefühl von Weite suche. Der Garten wird sehr gut gepflegt und ist groß genug, sodass man sich auch an sonnigen Ausflugstagen dort trotzdem wie allein fühlen kann. Spektakulär und berühmt ist die Kirschblüte in einem eigens eingezäunten Gartenareal, die ich jedes Jahr genieße. Manche Besucher nutzen sie zum ersten Freiluftpicknick des Jahres und es herrscht eine dankbar-friedliche Stimmung.



Aber nicht nur im Frühling, sondern auch im Winter ist der Garten eindrucksvoll.



Das Schloss Schwetzingen wurde von verschiedenen Kurfürsten genutzt, insbesondere von den pfälzischen Kurfürsten Karl Philipp und Karl Theodor als Sommerresidenz. 



Berühmt ist es vor allem durch den im 18. Jahrhundert angelegten Schlossgarten mit seiner Moschee und deren langgestreckten Wandelgang. 



Das Bauwerk hatte nicht die Funktion eines islamischen Gotteshauses, sondern sollte, dem aufklärerischen Gesamtkonzept des Schwetzinger Schlossgartens folgend, der Toleranz gegenüber allen Religionen und Kulturen der Welt Ausdruck verleihen. Der Islam vertritt dabei die mit dem Orient assoziierten Weisheitslehren, welche man in Form schön gestalteter Inschriften studieren kann.



Jährlich finden im Schloss die Schwetzinger Festspiele und alle zwei Jahre ein von den Bürgern geliebtes Lichterfest statt.



Zum ersten Mal wurde das Schwetzinger Schloss im Jahr 1350 als Feste urkundlich erwähnt. Damals war es noch ein ein mittelalterliches Wasserschloss. 



1427 kam es in den Besitz des Kurfürsten Ludwig III. In der Folgezeit wurde es mehrfach umgebaut; es diente auch als Jagdschloss und wurde gegen Ende des Dreißigjährigen Kriegs zerstört. 
Kurfürst Karl Ludwig ließ das Schloss für seine Geliebte Luise von Degenfeld wieder aufbauen. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde das Schloss dann wieder zerstört, die Grundmauern blieben stehen.
Seine heutige Form erhielt das Schloss auf Befehl des Kurfürsten Johann Wilhelm, der in Düsseldorf regierte. Dieser ließ es unter Leitung des Grafen Matteo Alberti vom Heidelberger Baumeister Johann Adam Breunig umbauen und durch zwei Flügelbauten wesentlich vergrößern. 



Das Bauwerk wurde in mehreren Bauabschnitten ab dem Jahre 1697 errichtet und ausgebaut. Im Jahr 1752 wurde eine Gartenerweiterung auf dem damals rund 70 Hektar großen Areal vorgenommen. Im gleichen Jahr wurde auch das wunderschöne Schloßtheater im Rokokostil eröffnet. 



Obwohl das Schloss seit der Verlegung der Residenz des Kurfürsten Karl Theodor von Mannheim nach München im Jahr 1778 kaum mehr benutzt wurde, wurde in der Folgezeit am Garten weiter gearbeitet. 



1779 wurde auch der Bau der Moschee begonnen, der 1793 abgeschlossen wurde.
Unter der Ägide von Karl Theodor war Schwetzingen eine Sommerresidenz: Die Hofhaltung wurde in den warmen Monaten vom Schloss Mannheim zum Schloss Schwetzingen verlegt. Die Schlichtheit der Wohnungen des Kurfürstenpaares und eine größere Informalität der Umgangsformen waren Ausdruck eines vorgeblich einfacheren, unbeschwerten „Lebens auf dem Lande“.



An der künstlerischen Ausgestaltung von Schloss und Garten waren nahezu alle am Hof in Mannheim beschäftigten Künstler beteiligt. Dazu gehörten Alessandro Galli da Bibiena und Peter Anton von Verschaffelt. Der Lothringer Nicolas de Pigage war Intendant der Gärten und Wasserkünste sowie der bestimmende Architekt in der Karl-Theodor-Zeit. De Pigage erweiterte den Garten in allen Stilwandlungen der Zeit. Der Zweibrücker Hofgärtner Johann Ludwig Petri plante das Hauptparterre und den Zirkel des französischen Gartens. 



Der erste Hofgärtner, van Wynder, wurde aus Kassel nach Schwetzingen berufen.
Der zweite Hofgärtner war Johann Wilhelm Sckell, ein Hauptmitarbeiter von Nicolas de Pigage. Sein Sohn Friedrich Ludwig Sckell wurde 1804 nach München berufen, wo er den Englischen Garten anlegte. Der erste badische Gartenbaudirektor war Johann Michael Zeyher, der den Flieder in Schwetzingen einführte.



Der Schwetzinger Schlossgarten gliedert sich in einen Französischen Garten und einen Englischen Garten. Bei der kunsthistorischen Interpretation des Gartens wird auch unterschieden zwischen dem „Garten der Allegorien“, also jenem Gartenteil, in welchem ohne tiefere Bedeutung allegorische Figuren stehen, und dem „Garten der Vernunft“.




Zum „Garten der Vernunft“ zählen der Minervatempel, der Merkurtempel, die Moschee, der Apollotempel, der Tempel der Botanik, das römische Wasserkastell sowie das Arboretum.
Das Schloss Schwetzingen zählt heute zu den landeseigenen Monumenten und wird von der Einrichtung 'Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg' betreut. Mehrere Anträge zur Aufnahme als Weltkulturerbe scheiterten bisher; es hieß, es gebe bereits zu viele Gärten gleicher Art. 
Der Garten war früher allen Einwohnern Schwetzingens kostenlos zugänglich, heute ist dies nur gegen Eintritt, auch mit einer erschwinglichen Jahreskarte, möglich. Das Schloss und das Theater können im Rahmen von Führungen besichtigt werden.
Die Karten für die Schwetzinger Festspiele sind sehr begehrt und rasch ausverkauft. Der Garten ist besonders bei Hochzeitspaaren beliebt für Fotoaufnahmen. So trifft es sich, dass man während eines Spazierganges gelegentlich strahlende Paare aller Nationalitäten aus gebührender Distanz bewundern kann!




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