Mittwoch, 3. Oktober 2018

Die "Ravensburg" im Kraichgau

courtesy of www.wohnmobil-bw.de

Die “Ravensburg” im Kraichgau, ihre erhabene Lage und ihr herrlicher Blick in die Weite hat auch unsere Wandergruppe als Ziel angezogen und wir haben einen wahrlich traumhaften Tag in der Oktobersonne erlebt.
Die Landschaft des Kraichgaus im nordwestlichen Baden-Württemberg wird begrenzt vom Odenwald im Norden, dem Schwarzwald im Süden sowie der Oberrheinischen Tiefebene im Westen. Im Osten wird der Kraichgau von den Höhenzügen des Stromberg und Heuchelberg zum Zabergäu abgegrenzt.
Die Burg ist zugänglich, der 30 Meter hohe, typische Bergfried tagsüber bestiegen werden und bietet einen einmaligen Ausblick über die weite Landschaft des Kraichgaus.

Bedeutende Regionalherren im Kraichgau waren bereits im Hochmittelalter die Göler von Ravensburg und die Grafen von Eberstein, die ab Ende des 11. Jahrhunderts bedeutende Besitztümer im Kraichgau hatten und auch verantwortlich für die Stadtgründungen von Bretten und Gochsheim um 1250 waren.
Wir fuhren durch das alte Burgtor, haben zunächst burgherrlich im weitläufigen Innenhof der Burg geparkt und wollten auf der herrlichen Terrasse des Restaurants, das üblicherweise um 11:00 Uhr eröffnet, schon den eindrucksvollen Rundblick genießen und uns für den Weg stärken. 
Doch an diesem Sonntag war eine Hochzeitsveranstaltung vorgesehen und wir mussten zunächst ohne Speis´ und Trank auskommen; ab 14:30 könnten wir zurückkehren, so hieß es, allerdings ohne Aussicht darauf, die warme Küche noch zu genießen.
Wir entschlossen uns, eine ca. zweieinhalbstündige Wanderung um die Burg zu machen und danach zurückzukehren und mit Wein, Kaffee und Kuchen zufrieden zu sein.
Der Rundweg hat uns dann aber nicht nur landschaftlich, sondern auch obst-kulinarisch voll entschädigt.
Die Bäume hingen voller Äpfel, Birnen, Pflaumen und Nüsse, die niemand erntete und den ganzen Boden bedeckten. Teilweise sind in der Region offizielle Streuobstwiesen ausgeschildert.
Das besonders Reizvolle am Spaziergang war der stete Wechsel des Weges zwischen Weinbergen, abgeernteten Feldern, Waldflächen und den Herbst ankündigenden obstbedeckten Wiesen, und wir waren staunend begeistert. 
Immer wieder gab es zwischendurch auch malerische Ausblicke auf die Burg.
Die gepflegte Küche und die ausgezeichneten Weine von Weingut Burg Ravensburg – von den Hängen des Burgberges – haben sich tatsächlich über die Region hinaus herumgesprochen, auch für Hochzeiten im Rittersaal.
Das kann dann, vor allem nach Bewirtung einer Hochzeitsgesellschaft im Rittersaal, auch mal zu einer Überforderung des Personals, um nicht von Chaos zu sprechen, führen.

Bald nach unserer Rückkehr hatten wir tatsächlich im schön angelegten Außenbereich Plätze ergattert, und in Windeseile waren alle Kuchen für später Kommende “aus“, wer Kirschkuchen bestellte, konnte durchaus Gefahr laufen, Himbeerkuchen serviert zu bekommen, und der Gipfel, als Anekdote gern zu erzählen, war unser netter, aber leidgeprüfter Kellner; dieser kam zur Bezahlung gegen halb fünf am Nachmittag gar nicht mehr an unseren Tisch, sondern sagte zu einer couragierten Mitwanderin, die schließlich zum Zahlvorgang an die Theke ins Restaurant ging, erschöpft: »Ach, rechnen sie einfach alles zusammen, ich kann nicht mehr«.


Chronik der Burg Ravensburg 
Zitiert von der Webseite des Burgrestaurants Ravensburg
Burg Ravensburg

Sage und Legende berichten vom Ursprung der Ravensburg und des nach ihr benannten Geschlechts im Jahr 930. Damals soll ein „Rabanus“ in den Kraichgau gekommen und wegen seiner Verdienste von König Heinrich I zum Ritter geschlagen worden sein. Er habe bei Sulzfeld die Ravensburg erbaut und zu Ehren des Königs, des „Vogelstellers“, als Wappenbild einen Vogel und wegen seines Wohnortes im Kraichgau die Krähe, bzw. den Raben, erwählt.
Urkundlich erscheint die Ravensburg erstmalig im Jahr 1212, der zugehörige Flecken Sulzfeld dagegen schon im Jahr 1056. Ältester Teil der Burg ist heute der um 1220 errichtete, 30 m hohe quadratische Bergfried mit seinen schönen Buckelquadern. Als sein Erbauer gilt der 1190 urkundlich erwähnte Ravan de Wimpina, staufischer Reichsministeriale, zu dessen ausgedehnten Besitzungen auch die „Rabans Aue“ (heute Rappenau) bei Wimpfen gehörte.

Von seinen Söhnen wurden die Ritter Raban und Dieter von Ravensburg, die zwischen 1213 und 1220 noch unter dem Namen „von Sulzfeld“ und ohne den Beinamen „Göler“ erschienen, die Stammväter der heute noch blühenden drei Geschlechter mit dem Raben im Wappenschild:
Raban wurde Stammvater der „Göler von Ravensburg“ und der „von Mentzingen“, Dieter der„von Helmstatt“.

Die enge Bindung des Geschlechtes an das zugehörige, schon 1056 urkundlich genannte Dorf Sulzfeld, erlaubt den Schluss, dass der Ursprung der Familie und ihrer Burg früher anzusetzen ist, als es die heute bekannten ältesten Urkunden erkennen lassen. Erstmalig im Jahr 1247 erschien mit Berthold I. der Beiname „Göler“ bei den Herren von Ravensburg.

Bertholds Nachkommen übernahmen diesen, ursprünglich rein persönlichen Beinamen, als festen Bestandteil ihres Familiennamens „Göler von Ravensburg“, der sich in lückenloser Folge bis zum heutigen Tag erhalten hat.
1251 war Walter, der Sohn von Berthold Göler, Deutsch-Ordensritter
1298 war Schweickhard, sein Enkel, Burghauptmann von Wimpfen
1337 nahm Albrecht I., sein Urenkel am Turnier zu Ingelheim teil
1407/08 war Wolf Göler Stadthauptmann von Speyer
1411 fiel Albrecht III. in der Schlacht am Donnersberg,                                                                              seine Söhne Albrecht IV. und Hans fielen 1431 in Lothringen.
Der dritte Sohn Martin, Chorherr zu Speyer, erhielt als letzter männlicher Spross des                      Geschlechts 1433 durch Papst Eugen IV. unter ansehnlichen Kosten die Befreiung vom                     geistlichen Amt.
1441 legte er den Grundstein zur alten Sulzfelder Kirche.

Martins Söhne, Georg I., Vogt zu Bretten, und Albrecht V., Amtmann zu Kreuznach, nahmen beide 1487 am Turnier zu Worms teil. Ihre Grabdenkmäler von 1502 und 1503 stehen noch heute an der nördlichen Außenwand der Sulzfelder Kirche.

1522 führte Martin Gölers Enkel, Bernhard I., die Reformation in Sulzfeld und in den Lehensdörfern Daisbach und Daudenzell ein. Johann Gallus war der erste Pfarrer, der von ihm eingesetzt war. Dank des guten Verhältnisses zwischen den Dorfbewohnern und dem Burgherrn und seiner Familie brachte der Bauernkrieg 1525 Sulzfeld und der Burg keine Unruhen.

Am Heiligen Abend 1546 nahmen die Spanier unter ihrem Führer Liera im Schmalkaldischen Krieg die Burg mit Gewalt ein, plünderten und verwüsteten sie. Sulzfeld und das benachbarte Dorf Zaisenhausen wurden gebrandschatzt.
Bernhard Göler, der Reformator, wurde damals mit seiner Familie vertrieben und als heimat- und besitzlos erklärt. Erst nach langen, schwierigen Verhandlungen mit Kaiser und Kanzler konnte er im darauf folgenden Jahr, 1547, in seine verheerte Heimat zurückkehren und mit dem Wiederaufbau beginnen. Die folgenden Jahrzehnte dürfen als die Blütezeit der Ravensburg, des Geschlechts der Göler und ihrer Dörfer angesehen werden.
Darstellung von 1583
1607 errichtete Hans Friedrich Göler, markgräflich badischer Geheimer Rat und Obervogt zu Durlach, den einst zweigeschossigen Palas, südlich vom Torhaus der Hauptburg. In diesem Gebäude befand sich zu jener Zeit neben einer 320 Bände umfassenden Bibliothek auch ein größeres Familienarchiv, von dem nur noch ein Bruchteil erhalten geblieben ist.
Die Jahreszahl am Göler-Mentzingen-Allianzwappen über dem schönen Portal weist auf die Entstehungszeit dieses beachtlichen Renaissancebaues mit seinem gewaltigen Keller hin. Rechtwinklig dazu im Süden der Küchenbau.
Der Dreißigjährige Krieg brachte erneut Zerstörungen im Dorf, doch gelang es nie, die Burg einzunehmen.

1620 hausten markgräflich-badische Soldaten im Dorf, 1632 litten Burg und Dorf unter den Truppen des Generals Tilly. Im Dorf wurden die meisten Häuser ein Raub der Flammen. Die Zerstörungen der Gölerschen Dörfer forderten den ganzen Einsatz der Burgherren über mehrere Generationen.

Im Erbfolgekrieg Frankreich gegen Kurpfalz besetzten 1689 französische Truppen des Generals Melac Dorf und Burg. Abgesehen von kleineren Schädigungen bei Ihrem Abzug verwüsteten sie jedoch nichts. Bretten wurde damals vollkommen zerstört.
Im Laufe der Jahre verlor die Burg Ihre Bedeutung als Feste. Das Versiegen des Wassers in dem noch heute 47 m tiefen, rundgemauerten Brunnen in der Mitte des inneren Burghofes und die Erbauung neuer Wirtschaftsgebäude und eines Herrensitzes im Dorf führten zum Verlassen der bis 1846 noch teilweise bewohnten Burg. Über Jahrzehnte hinweg diente sie dann als billiger „Steinbruch“, ein Schicksal, das auch dem berühmten Heidelberger Schloss nicht erspart blieb.

In den Jahren 1907 bis 1910 nahm die Familie umfassende Renovierungsarbeiten an der gesamten Burganlage auf. 1953 wurde der südliche Küchenbau überdacht und zunächst als stilvolle und gemütliche Burgschenke eingerichtet. Wenige Jahre später erfolgte im Erdgeschoss des ehemaligen Palas der Ausbau des geräumigen „Rittersaales“, der sich für Veranstaltungen, Familienfeiern und ähnliche Anlässe besonders gut eignet.

Seit Juli 2006 steht den Brautpaaren auf der Ravensburg auch eine Traukapelle für ihre kirchliche Trauung in historischem Umfeld zur Verfügung.
Inzwischen hat sich das „Burgrestaurant Ravensburg” durch seine gepflegte Küche und die ausgezeichneten Weine von Weingut Burg Ravensburg – von den Hängen des Burgberges – zu einem gastronomischen Anziehungspunkt hohen Ranges entwickelt.

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