Sonntag, 18. Juni 2017

Malen und Zeichnen bei Oded Netivi



Foto von Carsten Büll

Ich bin froh, dass ich ihn kennengelernt habe, zum zweiten Mal nach vielen Jahren. Unsere erste Begegnung war nur kurz und ich hatte sie vergessen. Er jedoch nicht und so erfuhr ich eine kurze Geschichte aus meinem Leben von vor über 30 Jahren, die
nicht gerade reizvoll und nachhaltig (wie man heute sagen würde) war und auf die ich deshalb hier nicht näher eingehen möchte. Viel wichtiger war also unsere zweite Begegnung, die eher zufällig zustande kam. 

Haben wir gelacht, sieht man sich tatsächlich im Leben immer zwei Mal.
Ich hatte mich für einen Mal- und Zeichenkurs für Anfänger bei der Volkshochschule eingeschrieben und war schon überrascht, dass dieser Kurs nicht in den offiziellen Räumen der Schule stattfand, sondern in der Heidelberger Altstadt, im Atelier von Oded Netivi, nur wenige Gehminuten von meinem Zuhause entfernt. 

Oded Netivi ist ein deutsch-israelischer Maler und Schriftsteller, der 1969 Israel verließ, ursprünglich in der Absicht Filmregie zu erlernen, und der deshalb zunächst ein Volontariat beim Südwestfunk Baden-Baden machte.
1971 wollte er nach Israel zurückkehren, doch die Einflüsse der 68er-Bewegung zogen ihn nach Heidelberg, wo er Psychologie und Soziologie studierte. Nach Abschluss seines Studiums 1975 zog es ihn zunehmend zur bildenden Kunst und so bezog er noch in der zweiten Hälfte der 70-er Jahre ein Atelier in einem denkmalgeschützten Altbau in der Heidelberger Altstadt.

Der Wunsch zu malen hatte bei mir schon sehr lange bestanden und erhielt nicht zuletzt Auftrieb, nachdem mein Vater, der früher nie gemalt oder gezeichnet hatte, damit im Alter von 65 Jahren anfing. Er kopierte viele alte und neuere Werke und wurde dabei sichtlich immer besser. Eines meiner Lieblingsbilder von ihm ist eine Kopie vom "Gartentor" von August Macke (1914), das ich in seiner Version hier auch zeigen möchte.



Schon seit Jahrzehnten bin ich Besitzer einer einfachen Staffelei. Als ich dann meine kleine Ferienwohnung in Tourrettes sur Loup einrichtete, war mir sofort klar, dass sie im Licht und der Weite des Südens ihr neues zu Hause fände. Dort stand sie viele Jahr wie eine Verheißung, bis jetzt.



Ich kam also zum ersten Mal in das Atelier von Oded. Es empfing mich eine Atmosphäre, die mir sofort gefiel. Alte Holzböden, knarrige Holztreppen, Ölbilder, kleine und große, gestapelt ohne System und Ordnung, und darüber leere Bilderrahmen in unglaublicher Vielfalt und Größe von der Decke hängend. Und das auf drei Stockwerken. Man kommt und staunt. Dieses Ambiente musste gewachsen sein und war sicherlich nicht von gestern. Hier ein Bild aus älteren Tagen:



Auf seiner Website zum Malkurs heißt es: » Eigentlich sollte man präzisieren, in der Hauptsache leitet Oded Netivi  schon seit Jahr und Tag eine fortlaufende und unbefristete Malgruppe. Um an dieser Veranstaltung teilzunehmen,  muss Mann / Frau weder besondere technische Vorkenntnisse nachweisen, noch eine wie auch immer geartete „Prüfung“ bestehen. Man kann zu jeder Zeit „einsteigen“ und wenn man anderweitig disponiert ist, zeitweise oder ganz weg bleiben. Ein Vertrag ist nicht vorgesehen. Entscheidend ist, dass man an dem künstlerischen Schaffen und an der geselligen Gruppe Freude hat.
Jeder weiß selbst, was er machen bzw. was er malen will und legt einfach los. Tische und Staffeleien stehen zu Verfügung. Allerdings ist der Lehrer immer dann gefragt, wenn neue Wege angestrebt werden oder jemand ein technisches, ein formalkünstlerisches oder ein persönliches Problem hat. Mit anderen Worten: Du kannst hier sehr viel lernen, unter Umständen sogar ein ganzes Mal -Studium durchlaufen ...
Aber:
Wer mit der Vorstellung zu uns kommt, er (oder sie) würde Schritt für Schritt an der Hand geführt, um schnell, ohne weiteres, ein vorzeigbares Meisterwerk mit nach Hause nehmen zu können, wird möglicherweise schnell ernüchtert und enttäuscht sein. Daher musst du unbedingt eigene Initiative, viel Selbstdisziplin (also auch Kontinuität) und Selbstständigkeit mitbringen! «

Montags und/oder mittwochs ab 19:00 Uhr bis 22:00 Uhr kannst du mitmachen, - wenn du Lust hast. Du bist nicht gebunden an einen Vertrag oder besondere Abmachungen, du zahlst 5 Euro pro Stunde oder 50 Euro pro Monat im voraus.
Du kommst und du malst oder zeichnest, was dir gerade gefällt. Dabei kannst du dir Rat von Oded holen oder von anderen Kursteilnehmern, die schon länger dabei sind, v.a. von James. 



Du genießt die Freiheit vom Müssen und von Zwängen und kannst ganz entspannt das tun, womit du dich gerade beschäftigen möchtest. Es beginnt immer mit einem gemeinsamen Tee der Anwesenden (an dem du teilnehmen kannst, wenn du willst). Es wird geplaudert und erzählt und es werden Musikwünsche abgegeben. 



Dann beginnst du mit deinem aktuellen Vorhaben; und du hast Zeit, nichts muss, alles darf.



James ist Odeds langjähriger Begleiter und Vertreter, sehr weit gereist, vielseitig interessiert und immer für einen Joke bereit.

Gegen 22:00 Uhr trifft man sich noch einmal zu einem late-night-snack und verabschiedet sich dann in die Nacht oder bis zum nächsten Mal.



Oded Netivi / Zeichen- und Malunterricht


In den letzten Jahren hat Oded nicht nur gemalt, sondern auch Bücher geschrieben und sein Schaffensspektrum erweitert.
Oded Netivi / Bücher


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen