Samstag, 14. Februar 2015

Afghanistan / Bilder aus einer anderen Zeit

Mein Lieblingsfoto von Victor Englebert aus dem Bildband Afghanistan (1970)
von Roland Michaud und Joseph Kessel, Verlag Rêves et Réalité Hachette

Afghanistan, heute ist es weit entfernt von dem Land, wie ich es kennen lernte, als ein freies, ein ursprüngliches, ein wildes und stolzes Land. Ich habe es "mein geliebtes Afghanistan" genannt. Ich bedauere, dass ich
keine qualitativ besseren Aufnahmen machen konnte, außerdem war das Fotografieren von Personen natürlich eigentlich nicht erwünscht. Hier erst einmal unsere "Truppe", das war ja noch eine leichte Aufgabe. Ich war mit sechs anderen Studenten unterwegs und wir sollten für drei Monate ein zu unserer Ausbildung passendes Praktikum in Kabul machen. Bei mir, als Medizinstudent, kamen selbstverständlich nur die Kliniken der Universität Kabul in Betracht. 



Afghanistan hatte mich schon immer angezogen, war es der Name, die Lage am Himalaya, die Nähe zu Indien?
Wenn ich Bilder wie diese sehe, schlägt mein Herz schon wieder höher.



Afghanistan war schon immer ein begehrtes Land, schon damals bekannt und berühmt für seinen Edelstein, den Lapislazuli. 



Schon in der Antike hatte Afghanistan auch deshalb, als zentralasiatische Region, Probleme mit seinen Nachbarn und geriet daher immer wieder in verschiedene territoriale Einflussbereiche.
Zunächst in den der Perser, später entstand Baktrien, ein griechisch-baktrisches Königreich, das von den Nachkommen und Statthaltern, die Alexander der Große bei seinem Durchzug zurückließ, regiert wurde. Nicht zu übersehen ist dies bis heute in manchen Physiognomien der dort lebenden Menschen. Ich traf Menschen, die  europäisch aussahen, andere sahen mongolisch bzw. asiatisch aus.
Immer wieder kam es zu Machtkämpfen auf regionaler Ebene. Verschiedenste Volksstämme haben sich bekämpft und beherrscht, von den turkmenischen Nomaden bis hin zu den indischen Mogulen.
Das heutige Afghanistan ist unzertrennlich mit dem Stamm der Paschtunen verbunden. Geopolitisch geriet Afghanistan in den Interessenbereich der Engländer/Inder und Russen; Peter der Große wollte ja sogar über Afghanistan hinaus seinen Einflussbereich bis zum indischen Ozean ausdehnen und dort einen eisfreien Hafen bauen.



Heute gehören über 90 % der Bevölkerung dem Islam an, die Moscheen sind überwältigend.

Hervorzuheben ist vor allem aber auch eine buddhistische Periode zwischen dem siebten und dem elften Jahrhundert, in der auch die berühmten, in Fels gehauenen Buddha-Statuen in Bamiyan entstanden, die leider von den Talian gesprengt wurden. 




Bamiyan war damals ein überregionales geistiges buddhistisches Zentrum.
Unabhängig ist Afghanistan seit 1919. 1933 gründete Mohammed Sahir Shah eine konstitutionelle Monarchie und danach schien das Land relativ ruhig und frei, von Weltkriegen und Großmachtansprüchen verschont zu sein. 

Wenige Wochen zuvor verließ ich bei meinem zweiten Besuch das Land und war auf dem Weg nach Indien. 

Als ich 1968 das erste Mal in Afghanistan ankam - damals war ich für drei Monate unter der Schirmherrschaft der UNESCO mit sechs anderen Studenten unterwegs - reiste ich über Karatschi, Pakistan und den Kyber-Pass und war schon nach der Ankunft in Karatschi nicht nur überwältigt, sondern auch wie verwirrt von den vielen Kontrasten und der Vielfalt im Vergleich zum öffentlichen Leben in Europa. 
Es war meine erste Reise nach Asien, an den Rand des Himalaya, und so hatte ich nach der Ankunft des Fluges von München nach Karatschi mein erstes Schockerlebnis.
Hier das geordnete, "übersichtliche" München, dort das flirige, unüberschaubare Karatschi, dass den unvorbereiteten Europäer wie ein Schlag trifft. Ich weiß noch, dass meine Augen, Ohren und meine Nase all dieses Neue gar nicht so schnell erfassen konnten und ich von einer großen Müdigkeit erfasst wurde.
Von Karatschi konnte ich mich dann langsam mit der Eisenbahn über Pakistan und dem Bus über den Kyber-Pass der Hauptstadt Afghanistans, Kabul, annähern. Gewohnt habe ich am Stadtrand, in einem Haus eines Ehepaares, das in der Entwicklungshilfe tätig war und zu dieser Zeit in Deutschland weilte.
Bei meinem Praktikum in der Universitätsklinik habe ich mich leider  oft wie ein„fünftes Rad am Wagen“ gefühlt und habe die Zeit genutzt, um die Stadt und die Menschen besser kennen zu lernen. 



Ich habe viel Zeit in Teehäusern und bei Antiquitätenhändlern verbracht. Ich bin aber auch allein in der Wüste mit dem Pferd zu Nomaden geritten.

Und ich hatte dann, aus dem Nichts heraus, plötzliche Begegnungen wie diese, Vater mit Sohn, wohin sie ritten, konnte ich nicht fragen.


Es macht mich traurig, wenn ich daran denke, was aus diesem Land geworden ist und wie seine Menschen leiden müssen.

Ich war begeistert von der Freiheit, von dem freiheitsliebenden, stolzen Volk und der Weite der Landschaft. Ich traf Menschen, die europäisch aussahen, andere waren mongolisch, asiatisch. Jedermann trug stolz sein Gewehr bei sich und mir wurde erklärt, dass Aghanistan noch nie dauerhaft besetzt wurde. 
Kritische Gedanken von politischer Tragweite machte ich mir damals noch wenig; alles schien an seinem Platz zu sein, alles hatte seine Ordnung und eine jahrhundertelange Tradition. 
Ich ritt durch die Wüstensteppe und fuhr mit meinen Kommilitonen quer durchs Land von Kabul nach Herat, ohne Straße, ohne Landkarte und ohne zu wissen, wo man abends das Lager aufschlug. Ich liebte das Abenteuer.



Jeder half jedem, jede noch so schwierige Situation wurde bewältigt.


Von den Rechten der Frauen war mir nur wenig bekannt, nur soviel, dass sie auf der Straße die Burka tragen mussten und innerhalb des Hauses "das Sagen haben".




Unabhängig ist Afghanistan seit 1919. 1933 gründete Mohammed Sahir Shah eine konstitutionelle Monarchie und danach schien das Land relativ ruhig und frei, von Weltkriegen und Großmachtansprüchen verschont zu sein. 1973 wurde das Königshaus gestürzt.
Wenige Wochen zuvor verließ ich, bei meinem zweiten Besuch das Land und war auf dem Weg nach Indien. 


Das Afghanistan von 1969 und 1973 ließ noch nicht ahnen, welche traurigen Zeiten auf dieses gewaltige, schöne Land zukommen würden. Ich war begeistert von der Freiheit, von dem freiheitsliebenden und gastfreundlichen Volk und der Weite des Landes. Ich hatte damals das Glück, Afghanistan mit seinen stolzen Menschen noch vor den schrecklichen Umwälzungen der späteren Jahre und dem maßlosen Terror kennen zu lernen.




Nicht unerwähnt darf das traditionelle Reiterspiel der Afghanen bleiben, die typischen Buzkashi Kämpfe, bei denen es darum geht, eine Ziege oder ein Kalb im Galopp aufzunehmen und vor einem Preisrichter abzulegen.

Aufnahme von CHANG W. LEE

Und hier noch einige Bilder aus neuerer Zeit von meinem Freund Lothar Zimmer, der diese Aufnahmen vor ca. drei Jahren gemacht hat und die mir zeigen, wie sich die Gesichter der Männer von damals und heute doch sehr ähneln, die Frauen tragen die Burka.


1 Kommentar:

  1. Mein armes schönes Land.
    Afghanistan war sooo schön ist es immernoch, doch die ganzen kriegen haben mein schönes land zerstört
    ZINDABAD AFGHANISTAN
    ich freue mich soo sehr nächstes jahr nach 3 jahren zurück in mein land zu kehren

    Liebe grüße von mir, einer stolzen Afghanin

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